Museumsinsel Berlin

Museumsinsel Berlin

Gedankliche Reinzeichnung des Gestaltungskonzepts Corporate Design, Erscheinungsbild / Leit- und Informationssystem Ausgangssituation
Der Grundzug des Fragmentarischen und Ausschnitthaften charakterisiert die Museumssituation. Die Exponate aus 6000 Jahren Kulturgeschichte sind in einem historischen, archäologischen und geografischen Kontext organisiert, damit sie für uns Bedeutung gewinnen. Dem Betrachter offenbart sich beispielsweise eine neue Bedeutung, wenn ein Einzelstück mit thematisch verwandten Exponaten präsentiert wird. Ein musealer Gegenstand kann sowohl ein Fragment als auch ein Ganzes sein. Die museale Inszenierung stiftet Bedeutung, indem sie kontextuelle Informationen zur Verfügung stellt. Wo eine Restauration nicht möglich ist, wird zu den Fragmenten der ihnen entsprechende Gesamteindruck simuliert. Das authentische Zentrum unserer Wahrnehmung bleibt jedoch stets das Ausgrabungsstück. Der Museumsbesucher erlebt ein sukzessives Entdecken und Entschlüsseln der einzelnen Ausstellungsstücke sowie der Gesamtthematik einer Ausstellung. Wir haben die Gegebenheit des Fragmentiertseins zu einem Gestaltungsprinzip verarbeitet, das von der Spannung und dem Wechselspiel zwischen Einzelelementen und Gesamtthematik lebt.

Das stilisierte Fragment: eine Schrift / eine Form / eine Farbe
Schrift Das einzigartige Ensemble der auf der Insel situierten Museen bedarf keiner symbolischen Verdoppelung in einem Bildlogo. Die Adressbezeichnung fungiert als Marke. Sie benennt das ganze Thema der Topografie und Institution. Die Museumsinsel wird durch einen reinen Schriftzug repräsentiert. Dem Prinzip der Fragmentierung folgend haben wir den Begriff "Museumsinsel" in seine Einzelbuchstaben gesplittet. Die Träger der typografischen Fragmente transportieren ein Stück Museumsinsel aus ihrem topografischen Standort in ihr Umfeld. Diese Artefakte werden wie archäologische Fundstücke über das Berliner Stadtgebiet und darüber hinaus ausgestreut. Die Prägnanz von Farbe, Form und Typografie der Museumsinsel-CDs macht jeden Buchstaben als CDFragment erkennbar. So wird beim Betrachter ein Entschlüsselungsprozess in Gang gesetzt. Er wird angeregt, sich "seinen Reim" auf jeden einzelnen Buchstaben zu machen.

Form
Dem Leitsystem liegt eine Hierarchie gleichförmiger Elemente zugrunde, die nach definierten Größen gestaffelt sind. Die Fülle der kontextuellen Möglichkeiten hat uns auf die mehrdimensionale Form des Quaders gebracht. Jede Raumseite des Quaders kann eine inhaltliche Informationsebene repräsentieren. Dies ermöglicht eine komplexe Information über die Sammlungen und die Museumsgebäude. Der Quader tritt als Einzelelement und in Formationen auf. Unterschiedliche Formationen setzen sich aus proportional gleichgestaltigen Grundelementen zusammen. Die gleichbleibende Proportion/Farbigkeit der Quader, die in vier Formaten verwendet werden, gewährleistet die Wiedererkennbarkeit der einzelnen Elemente. Die so aufeinander bezogenen Elemente werden als System wahrgenommen. Das Quadersystem erlaubt vielseitige Anwendungen. Es kann in Form von Reihungen, Stapelungen, Staffelungen, als Modulsystem und als begehbarer Raum auftreten. Seine Grundfunktion ist die Signifikation und Orientierung. Darüber hinaus ist das System offen für die spielerische Anwendung unterschiedlicher Medien: LED, Monitore, Film, Projektion, Animation und Internet, z.B. Verwandlung zur bewegten Bildwand mit eingebauten Monitoren oder Installation eines transitorischen Ausstellungskubus. Die monolithischen Quader, die vor den sechs Museen platziert sind, bezeichnen mit einer Seite das betreffende Museum. Einer anderen Seite der Quader ist die Geschichte des jeweiligen Museumsgebäudes eingeschrieben. Dadurch wird jedes Museum zu einem Exponat an sich, das durch einen historischen Metatext erläutert wird. Jeder Spaziergänger, der die Museumsinsel betritt, besucht eine Ausstellung, ohne ein Museum betreten zu haben.

Farbe
Die Museumsinselfarbe ist ein warmes, helles, intensives Rot, welches in der Außenumgebung leuchtet. In den Innenräumen der Museen setzt das Rot einen Kontrast zur alten Bausubstanz, harmoniert aber trotz seiner Signalkraft mit dem Bestehenden. Die Beschränkung und konsequente Anwendung einer Farbe wird zum starken Erkennungsmerkmal. Die Farbe unterstreicht und behauptet den Elementcharakter jedes einzelnen Quaders, der Ausschnitt des hierarchisch formatierten Ganzen ist. Die Anwendung einer singulären Farbe, Form und Schrift für das Corporate Design und Leitsystem der Museumsinsel prägt ihre Identität.